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Verhütungsmittel für die Frau

Moderne Verhütung für die Frau

Weltweit werden jährlich 80 Millionen Frauen ungewollt schwanger, 20 Millionen Frauen riskieren eine Abtreibung, 68.000 Frauen sterben dabei (Quelle: Alan Guttmacher Institute, New York, 1999).
Viele dieser ungewollten Schwangerschaften und der oft daraus resultierenden riskanten Abtreibungen wären durch entsprechende Verhütung zu vermeiden.

Hormonelle Präparate zur Empfängnisverhütung (hormonelle Kontrazeptiva) besitzen eine besonders hohe Zuverlässigkeit. Die Antibabypille, kurz “Pille” genannt, ist dabei das weltweit am häufigsten verwendete Mittel. 1961 führte die ehemalige Schering AG, jetzt Bayer Schering Pharma, mit “Anovlar” die erste Pille am deutschen Markt ein. Da die Moralvorstellungen der damaligen Gesellschaft sehr eng waren, galt “Anovlar” zunächst offiziell als “Mittel gegen Menstruationsbeschwerden” und wurde in den USA nur verheirateten Frauen verschrieben. Heute gilt die Pille in westlichen Gesellschaften als akzeptiertes und weit verbreitetes Verhütungsmittel. In Österreich ist die Pille rezeptpflichtig, d.h., sie muss vom Arzt verschrieben werden und kann nicht “einfach so” in der Apotheke gekauft werden wie beispielsweise Aspirin® oder Supradyn®. Vor der Entscheidung für ein bestimmtes Kontrazeptivum sollte auf jeden Fall eine gründliche allgemeine und gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden.

Während die ersten Pillen nach Markteinführung aus heutiger Sicht noch wahre “Hormonbomben” darstellten, zeigt sich heute ein Trend zu immer niedrigeren Dosierungen bei gleichbleibender Effizienz. Vorteil dieser niedrigeren Dosierungen ist, dass es weniger Nebenwirkungen gibt als früher.
Die verhütende Wirkung der Pillen ist reversibel. Das bedeutet: wird das Präparat abgesetzt, kann die Frau wieder schwanger werden.

Wie wirkt die Pille?

Nur wenn der Körper eine Eizelle freisetzt, kann diese von einer Samenzelle befruchtet werden und in Folge eine Schwangerschaft nach sich ziehen. Die herkömmliche Pille (Kombinationspille) enthält zwei Hormone, konkret: ein Östrogen und ein Gelbkörperhormon-ähnliches Gestagen), die verhindern, dass eine Eizelle freigesetzt wird. Dadurch wird bereits die Basisvoraussetzung für eine mögliche Schwangerschaft verhindert. Am Eingang der Gebärmutter gibt es zudem eine Schleimschicht, die sich um die Zeit des Eisprungs verflüssigt. Das passiert aber nur dann, wenn die Pille NICHT genommen wird. Unter Einwirkung der Pille bleibt die Schleimschicht in unverflüssigter Konsistenz bestehen; ein Eindringen der männlichen Spermien ist dadurch kaum möglich. Sollte es – trotz Einnahme der Pille – doch einmal zum Eisprung kommen, ist dieser Mechanismus eine Art “zweite Barriere”.
Eine “dritte Barriere” für die Entstehung einer Schwangerschaft stellt die mangelnde Schleimhautbildung innerhalb der Gebärmutter dar: unter Einwirkung der Pille baut sich die Schleimhaut innerhalb der Gebärmutter nicht mehr so weit auf, dass sich eine Eizelle darin einnisten kann.

Besonders wohl fühlen sich Frauen mit niedrig dosierten Pillen, die neuartige Gestagene wie z.B. Drospirenon enthalten (z.B. Yasmin®, Yasminelle®, Yaz®). Drospirenon verhindert östrogenbedingte Wassereinlagerungen und typische prämenstruelle Beschwerden wie z.B. zyklusabhängige Gewichtszunahme, Brustspannen und Stimmungsschwankungen.

“Minipille” und “Gestagen-only”-Pille

Anders als die “normale” Pille, also die Kombinationspille mit Östrogen und Gestagen, enthält die Minipille nur ein Gestagen. Sie verhindert den Eisprung nicht, sorgt aber dafür, dass der Schleim am Eingang der Gebärmutter sich nicht verflüssigt. Die männlichen Samenzellen können dadurch nicht in die Gebärmutter eindringen und dort eine Eizelle befruchten. Zusätzlich unterdrückt die Minipille das Wachsen der Schleimhaut in der Gebärmutter, sodass sich die Eizelle nicht einnisten kann.

Die Minipille ist nur dann zuverlässig, wenn sie absolut regelmäßig (alle 24 Stunden plus max. 4 Stunden später als sonst) ohne Pause eingenommen wird. Wird die Minipille mehr als vier Stunden später als vorgesehen eingenommen, so müssen in den folgenden 14 Tagen zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zur Verhinderung einer Schwangerschaft getroffen werden (z.B. die Verwendung eines Kondoms).

Für viele Frauen ist diese regelmäßige und exakte Einnahme oft mit Schwierigkeiten verbunden. Zwischenblutungen und Schmierblutungen können bei dieser Methode ebenfalls vorkommen.

Die “Gestagen-only” - Pille enthält, wie der Name schon verrät, nur ein Gestagen. Im Gegensatz zur Minipille hemmt sie sowohl Eizellenreifung als auch Eisprung. Sie wird täglich, möglichst zur gleichen Zeit, eingenommen – ohne Einnahmepause. Im Unterschied zur Minipille ist hier jedoch ein Spielraum von 12 Stunden bei der Einnahme möglich. Die “Gestagen-only” Pille ist eine sehr zuverlässige Verhütungsmethode, die in etwa der von Kombinationspillen entspricht – vorausgesetzt, sie wird regelmäßig eingenommen. Sie wird allgemein sehr gut vertragen; allerdings treten häufiger Zwischenblutungen auf.

Alternativen zur oralen Kontrazeption

Neben der Pille gibt es noch zahlreiche andere Methoden der hormonellen Verhütung. Beispiele hierfür sind das Hormonimplantat, die 3-Monatsspritze, der hormonhaltige Vaginalring, das Verhütungspflaster und die Hormonspirale.

Bei der Hormonspirale handelt es sich um einen T-förmigen Körper mit einem Hormonzylinder, der das Gestagen Levonorgestrel enthält. Dieser Hormonzylinder ist um den Längsschaft des T-förmigen Kunststoff-Körpers fixiert, der für einen sicheren Halt in der Gebärmutter sorgt. Die Hormonspirale wird direkt in die Gebärmutter eingelegt. Dort werden geringe Mengen des vorwiegend lokal wirksamen Hormons freigesetzt. Die Hormonspirale ist nicht spürbar und gewährt vom ersten Tag an eine sehr hohe empfängnisverhütende Zuverlässigkeit, die fünf Jahre anhält.

Während dieser fünf Jahre hat die Hormonspirale einen positiven Effekt auf den Zyklus der Frau. Ca. 3 Monate nach dem Einsetzen der Spirale wird die Monatsblutung tendenziell leichter, kürzer und weniger schmerzhaft. Einige Frauen beobachten sogar ein komplettes Ausbleiben der Periode. Dies ist vorwiegend ein lokaler Effekt und lässt nicht auf eine Störung der Eierstöcke schließen. Leichtere Perioden oder sogar deren Ausbleiben werden von sehr vielen Frauen als positiver Nebeneffekt gesehen. Darüber hinaus bemerken viele Frauen einen positiven Einfluss der Hormonspirale auf das “prämenstruelle Syndrom” (z.B. verstärkte Empfindlichkeit der Brust, Müdigkeit, Reizbarkeit).

Auch wenn die Hormonspirale von den meisten Frauen sehr gut vertragen wird, kann es in manchen Fällen zu Nebenwirkungen kommen. Einige Frauen berichten in den ersten zwei bis drei Monaten auch von auftretenden Zwischenblutungen und länger anhaltenden Blutungen. Bei den meisten Frauen gehören diese lästigen Nebenerscheinungen nach dem dritten Monat der Vergangenheit an. Da sich der Körper erst auf die Hormonspirale einstellen muss, kann es in den ersten Monaten auch z.B. zu Brustspannen, Kopfschmerzen oder Akne kommen. Kurz nach der Insertion besteht außerdem die Möglichkeit einer Abstoßung. Es kann passieren, dass die Hormonspirale vom Körper nicht akzeptiert wird oder durch die Gebärmutterwand “wandert”, was allerdings sehr selten vorkommt. Bei Auftreten von Komplikationen sollten sich Frauen sofort mit ihrem Gynäkologen/ ihrer Gynäkologin in Verbindung setzen.

Das Einsetzen der Hormonspirale erfolgt durch eine Gynäkologin/ einen Gynäkologen. Auf Wunsch kann die Insertion unter lokaler Anästhesie durchgeführt werden. Die Hormonspirale kann zu jeder Zeit wieder entfernt werden. Eine sofortige Schwangerschaft ist unmittelbar danach möglich.

Hinweis: Die genannten Verhütungsmittel ersetzen nicht das Kondom, das als einziger Schutz vor ansteckenden sexuellen Krankheiten dient!

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